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Halse

Die Halse gilt als schwieriges und zum Teil gefährliches Manöver und wird häufig versucht zu vermeiden. Das muss nicht sein. Deshalb kommen hier die Abläufe

  • Mit der Jolle
  • dem kleinen Kielboot und
  • der großen Yacht mit Spinnaker
  • mit Gennaker
  • mit Blister

Der Ablauf einer Halse ist immer etwas abhängig vom Boot und den Wind bzw. Wellenbedingungen. Da gibt es keinen fest Vorgeschriebenen Ablauf. Wichtig ist die Kontrolle des Großsegel und damit des Großbaum im Moment des „Rund achtern“ wenn der Wind genau von hinten kommt. Wohlgemerkt der Scheinbare Wind!!!!! Der aber einen kurzen Moment mit dem wahren Wind übereinstimmt.

Ob zur Halse das Großsegel komplett dicht genommen werden muss, oder der Baum an der Großschot kontrolliert auf die neue Seite geführt werden kann ist wie gesagt, stark abhängig vom Bootstyp und der Windstärke. Auch hier wieder die Windstärke des Scheinbaren Wind!!!

Je schneller das Boot fährt, um so höher ist der Fahrtwind Anteil. Je größer der Fahrtwind in der Halse ist, um so weniger Winddruck ist noch im Segel. So läßt sich auch ein Großsegel mit 50 qm Fläche bei bis zu 10 Kn Wind noch einfach auf die neue Seite bewegen. Das geht natürlich nicht in der Prüfung zum SKS Segelschein, aber immer danach 🙂

 

 

Halse mit der Jolle geht auch mal schief

 

Durch die modernen Gleitjollen und Skiffs und auch den Einzug der Sportboote, wie J 70 oder Melges 24 hat sich ein etwas anderer Blickwinkel auf die Halse ergeben.

 

Natürlich sollte auf einer Kielyacht immer versucht werden, den Großbaum mit maximaler Kontrolle auf die neue Seite zu führen. Bei moderaten Windbedingungen und geübter Crew kann dieses Manöver jedoch auch wie auf einem Sportboot oder der Gleitjolle gefahren werden.

 

Wenn der Spinnaker oder Gennaker in der Halse gefahren wird, gilt die größte Aufmerksamkeit natürlich diesem Segel, das Großsegel muss dann nur im richtigen Moment zur anderen Seite geführt werden.

 

Bei einem Boot ohne Zusatzsegel und mit Fock zeigt die Fock den Zeitpunkt des Seitenwechsel des Großsegel hervorragend an. Sobald die Fock in sich zusammen fällt weil sie in der Abdeckung des Großsegel keinen Wind mehr hat, ist der richtige Moment für den Seitenwechsel des Großsegel gekommen.

 

Auf kleineren Kielbooten, Sportbooten und Jollen kann fast immer das Großsegel direkt an der Talje der Großschot auf die neue Seite geführt werden.

Diese Art der Halse wird häufig als „Regattahalse“ bezeichnet, hat aber mit Regatta eigentlich nicht viel zu tun. Es ist nur eine angepasste Großsegelführung an den Bootstyp oder die Windbedingungen. Diese Art der Halse funktioniert auch auf einer 12 Meter Yacht bei sehr wenig Wind noch

Der große Vorteil dabei ist, das dieses Manöver, das sicherlich schwierig zu steuern ist, schnell erledigt ist.

 

Solange das Segel dabei auf der neuen Seite kontrolliert raus gelassen werden kann, ist eine sogenannte „Yachthalse“ wie sie in den Segelschulen gelehrt und von den Prüfungsausschüssen der Segelverbände geprüft wird, nicht nötig.

Wenn ich die klassische „Yachthalse“ fahre, dabei vielleicht noch vom Vor-Wind-Kurs aus, mit einem dicht holen des Großsegel über die Winsch oder Talje der Großschot, verliert das Boot sehr viel Geschwindigkeit. Hinzu kommt, das der Druck im Großsegel größer wird, je langsamer das Boot fährt und je mehr der Wind von achtern kommt.

 

Ist das Boot schnell unterwegs, hat es einen großen Fahrtwindanteil und der scheinbare Wind kommt mehr von vorne oder von der Seite. Dadurch ist viel weniger Kraft an der Großschot nötig um das Segel zu schiften, also auf die neue Seite zu bringen.  Deshalb ist es sehr von Vorteil, die Halse vom Raumschots-Kurs aus zu fahren.

Hier zwei Kräfte-Parallelogramme für Vorm Wind und Raum-Wind Kurs

 

Der Raumschots Kurs ist der schnellste Kurs, viel sicherer als der Vorm-Wind Kurs im Bezug auf die Patent-Halse und mit den modernen Riggs, die angepfeilte Salinge haben mit weit hinter dem Mastfuß angebrachten Wanten, kann das Großsegel gar nicht mehr im 90 Grad Winkel aufgefiert werden. Dadurch ist mein tiefster Winkel nach Lee durch die Segelstellung vorgegeben. Letzten endes zeigen die Fäden im Achterliek des Großsegel an, wie tief ich fahren kann, denn es sollen ja wie immer die unteren Fäden nach hinten auswehen und der oberste Faden darf nach Lee weg klappen muss aber regelmäßig zu sehen sein. Wenn der Kurs zu tief gesteuert wird, haben die Fäden keinerlei Anströmung und verschwinden in Lee. Da hilft nur etwas anluven.

Wenn das Großsegel etwas in die Salingenden oder die Wanten drückt, ist dies kein Grund, gleich das Segel dichter zu nehmen. Das Maximum ist der Abstand vom Großbaum zu den Wanten, wo immer eine Hand breit zwischen passen sollte.

Für die Druckstellen im Segel hält der Segelmacher sogenannte „Patches“ bereit, die auf das Segel geklebt werden können.

 

Der maximal tiefste Kurs, der gefahren werden kann, ist also abhängig von der Großsegelstellung.

Bei der Halse auf Booten ohne Gennaker sollte nun die größtmögliche Geschwindigkeit in der Halse gefahren werden, um das Segel von Hand auf die andere Seite bringen zu können.

Der Steuermann steuert dann ein der Windstärke angepaßtes großes oder kleines „C“ auf dem Wasser und das Großsegel wechselt zum Zeitpunkt des einfallen der Fock die Seite.

 

Je nach Bootstyp kann der Steuermann vor der eigentlichen Halse bzw dem schiften des Großsegel, schon die Seite wechseln. Dabei sollte das Boot immer möglichst aufrecht gehalten werden. Bei Lee-Krängung fällt der Steuermann ab und bei Luv-Krängung anluven. Das gilt dann besonders auf dem neuen Bug, während das Boot vom Vor Wind Kurs anluvt auf den richtigen Raum- Wind Kurs. Um den richtigen WInkel zu finden ist die Krängung ein sehr guter Anhaltspunkt