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Der Riggtrimm eines Segelbootes

 

Los geht es beim Riggtrimm immer mit der Position des Mastes:

Die Position des Mastes wird von mehreren Faktoren beeinflußt. Zum einen die Position des Mastfußes. Er sollte natürlich in der Mitte des Bootes stehen, zunächst im Bezug auf die Rumpfkanten. Dann natürlich auch Mittig im Bezug zu den Püttingeisen. Es ist sicherlich gut, einmal die Position der Mastschiene in die der Mastfuß gestellt wird  nachzumessen. Auch die Püttingeisen sollten natürlich symetrisch  angebaut sein. Punkte zum Nachmessen sind z. B vom Vorstagbeschlag bis zur Vorderseite des Püttingeisen. Dann dieser Punkt zur Deckskante und der selbe Punkt zur Mastschiene. Auf Bbbug und Stbbug sollten die Maße identisch sein.

 

MaßVorstag Puettingklein

PuettingMastklein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn es verschiedene Mastfußpositionen gibt, gilt erst einmal: Je weiter der Mast hinten steht, um so Luvgieriger wird das Boot.

Wieviel Luvgierigkeit eingestellt wird, ist natürlich dem Steuermann überlassen. Üblicherweise sollte das Boot bis ca. 4 Bft. Neutral auf dem Ruder liegen. Danach hilft die Luvgierigkeit auch, an Höhe zu gewinnen.

Modern profilierte Ruderblätter können einen dynamischen Auftrieb erzeugen, wenn sie entsprechend angeströmt werden, das heißt mit leicht eingeschlagenem Ruderblatt (ca3-4 Grad) wird das Boot schneller. Das macht sich vor allem bei leichtem Wind und flachem Wasser bemerkbar.

Theoretisch müßte ich also je  nach Wind und Wellenbedingungen meinen Mastfall anpassen. Genau das wird in vielen Regattaklassen auch gemacht (Star, Drachen etc)

Der Freizeitsegler trimmt sein Boot auf die im Revier üblichen Durchschnittswerte und wird damit sicher gut klar kommen. Vielleicht gibt es zur Mastposition, Vorstaglänge und Wantenspannung schon Erfahrungswerte über die Klassenvereinigung, den Bootshändler oder einen Segelmacher. Wenn nicht, heißt es: probieren, probieren, probieren.

 

Nach der Mastfußposition ist die Länge des Vorstag weiter entscheidend für die Luvgierigkeit des Bootes. Je mehr der Masttop zum Heck des Bootes geneigt ist, um so weiter wandert der Segeldruckpunkt wieder hinter den Lateraldruckpunkt und das Boot wird Luvgierig. Wenn ich die richtige Länge gefunden habe, bietet es sich an, beim Mastlegen im Herbst, erst die Achterstag- und Wantenspannung zu lösen. Dann kann ich mit z. B. dem Fockfall die Spannung aus dem Vorstag nehmen, indem ich das Fockfall am Bug befestige und dann über die Winsch durchsetze, vielleicht reicht auch der Druck von Hand. Jetzt hängt das Vorstag durch und ich löse es unterhalb des Wantenspanners vom Vorstagbeschlag. So kann ich immer den gleichen Mastfall einstellen. Alternativ helfen auch farbige Markierungen auf dem Wantenspanner oder das Messen der Vorstaglänge.

Wenn die richtige Vorstaglänge eingestellt ist, sind als nächstes die Oberwanten dran. Diese drehe ich von Hand leicht fest und messe dann den Abstand vom Masttop zum Püttingeisen der beiden Seiten. So weiß ich, das der Mast gerade auf dem Boot steht.

Als nächstes drehe ich an den Wantenspannern jeweils BB und StB die gleiche Anzahl von Umdrehungen.

Wie weit ich drehen kann oder muss, sagt mir der sogenannte Powerotto ( siehe Bilder unten) Am Powerotto lese ich die Wantenspannung ab und stelle so die Werte ein, die ich benötige. Ein kleiner Trick hilft, die Wantenspanner, die natürlich immer ausreichend gefettet sein sollten, nicht übermäßig zu beanspruchen: Ich ziehe das Achterstag aufs maximum an. Dadurch wandert der Ansatzpunkt für die Wanten etwas nach unten und ich kann so die Wantenspanner leichter durchsezten.

Die Wanten sollten auf jeden Fall so fest gespannt sein, das auf einem Am Wind Kurs, bei flachem Wasser, und gleichmäßigem Wind um die 12 bis 15 Knoten, die Leewanten nur geringfügig locker sind. Sie dürfen auf gar keinen Fall durchschwingen.

 

MastnutkleinDetailansicht

Nach den Oberwanten spanne ich dann die oberen Unterwanten bzw die Unterwanten, wenn ich nur zwei Wantenpaare habe. Ich spanne also immer von Oben nach unten. Dabei gehe ich wie gehabt vor, indem ich die Unterwantenpaare jeweils handwarm andrehe und dann, messen geht jetzt nicht mehr, einen Blick an der Achterkante des Mastes entlang, nach oben werfe. Bevor ich weiter Spannung aufbaue, sollte der Mast gerade sein.

Ich kann auch das Großfall an der Masthinterseite anlegen und peilen.

 

Durch entsprechende Umdrehungen trimme ich den Mast gerade im Bezug BB und StB.

Das wars dann eigentlich schon. Diese Beschreibung ist natürlich nur ein grober Anhaltspunkt. Viele aktive Regattaklassen haben ihre eigenen Trimmtabellen und Riggmaße. Die bekomme ich dann über die Klassenvereinigung oder Kollegen mit gleichem Boot. Auf jeden Fall kann ich jetzt erst einmal losfahren. Alles weitere merke ich dann auf dem Wasser.

Den Riggtrimm beim Kohlefaser Mast mit Mast Jack habe ich hier beschrieben.

Und hier noch ein Link zu einem meiner Vorträge zum Thema Riggtrimm: