Segeltrimm mit den Fäden

Fäden lügen nicht. Wenn das Rigg getrimmt ist, geht es auf dem Wasser um den Feintrimm. Hierbei helfen die Fäden in den Segeln, weil sie die Anströmung durch den Wind sichtbar machen.

Die Steuerfäden sind aus der Fock nicht mehr weg zu denken, aber auch die weiter oben angebrachten Fadenpaare helfen, das Boot schneller zu machen. Die Fäden im Achterliek  sagen etwas über den Zustand des Achterliek, also geöffnet oder geschlossen.

Den Segeltrimm den vorherrschenden Bedingungen an zu passen ist die Hohe Trimmkunst.

 

Trimm der Fock

Um die Fock richtig und optimal zu trimmen, bedarf es wie beim Segeln häufig, viel Erfahrung und Übung. Jedes Segelboot ist anders und selbst, wenn es strikte Einheitsklassen sind, kann bei den Segeln häufig noch variiert werden. Zunächst geht es also erst einmal um den grundsätzlichen Schnitt eines Segels und das Material, aus dem es gebaut worden ist.

Der klassische Segelschnitt ist der

CROSS CUT / HORIZONTALSCHNITT

Die Segelbahnen verlaufen horizontal vom Vorliek zum Achterliek. Es handelt sich um einen sehr bewährten Standardschnitt, der sich gut trimmen und regulieren lässt. In der Regel werden hochwertige Perfomance Cruise oder High-Aspect-Dacron Tücher verwendet um strapazierfähige und haltbare Segel zu fertigen.

 

TRI-RADIAL SCHNITT

Dieser Schnitt eignet sich besonders für schlanke, hoch geschnittene Segel. Es werden verschiedene Tuchgewichte kombiniert. In den Hochlastbereichen kommen stärkere Tücher zum Einsatz. Der Vorteil des Tri-Radial Schnittes liegt in der hohen Formbeständigkeit und geringeren Dehnung. Es werden High-Aspect-Dacron    Tücher und Laminate verarbeitet.

 

BI-RADIAL SCHNITT

Die Bahnen verlaufen entlang der Lastlinien des Segels. Sehr gut geeignet für Rollreffgenua und Großsegel mit längerem Unterliek. Ideal für Reviere mit sehr unterschiedlichen Windbedingungen.

 

FULL-RADIAL SCHNITT

Eine top Wahl für Jollen und kleinere Boote mit sportlichem Anspruch. Für Yachten mit Großsegel-Rollanlagen ohne Latten.

 

Dies sind die normal bezahlbaren Schnitte aus Dacron, also den weißen traditionellen und preiswerten Materialien. Der Segelmacher hält natürlich noch eine Reihe von verschiedenen Tuchmaterialien bereit, die für einen bestimmten Einsatzbereich oder ein besonderes Revier geeignet sind. Dabei gilt: je weniger Dehnung mein Segeltuch haben soll, um so aufwendiger ist der Schnitt und um so hochwertiger ist das Tuchmaterial. Das geht dann über Mylar, Kevlar bis zu 3DL, bei dem das Segel laminiert wird, also aus einer Form kommt, die sich natürlich dem Einsatz des Segels entsprechend herstellen läßt. Beim Preis gibt es nach oben häufig keine Grenze.

Die Klassenvorschriften regeln dagegen häufig die erlaubten Materialien, damit es nicht zu Materialschlachten wie bei einigen Regatta-Klassen kommen kann. Erwähnt werden sollte allerdings auch, das es ohne meistens teure Innovationen keine Weiterentwicklung geben könnte.

Bei der Bestellung eines neuen Segels, egal ob Fock oder Großsegel, ist Hilfe vom Fachmann immer gut, das kann entweder der führende Segelmacher der Regattaklasse sein, oder ich erfahre über die Werft, von welchem Segelmacher das Boot ursprünglich die Besegelung bekommen hat. Wenn der Segelmacher weder über eine Klassenvereinigung noch über die Werft zu finden ist, ist ein örtlicher Segelmacher vor zu ziehen, da dieser vor Ort am Boot die Maße für das neue Segel nehmen kann.

Nach Erhalt des neuen Segels, geht es dann daran, die Grundeinstellung zu finden. Je tiefer auf Deck ein Segel angeschlagen werden kann, um so effektiver ist das Segel, da kein Druckaustausch am Unterliek stattfinden kann. Neue Bootskonstruktionen berücksichtigen dies, indem die Rollfocktrommel unter Deck angebracht wird. Bei Regattabooten gibt es häufig keine Rollfocktrommel, so das auch hier der Ansatzpunkt für den Fockhals so tief wie möglich sitzt.

Beim Segel setzen und spannen des Fockfall muss auf jeden Fall auf die Falten im Vorliek geachtet werden. Falten parallel zum Vorliek des Segels sind ein Zeichen für ein überdehnen des Segels im  Vorliekbereich und völlig unnötig. Hier helfen Markierungen auf dem Fall bzw. beim Fallenstopper, um die maximale Spannung möglichst nicht zu überschreiten.

Jetzt geht es ins freie Wasser. Der sinnvollste Kurs ist erst einmal der HALB Wind Kurs, da der Rückweg dann keine Kreuz bedeutet.

Auch sollten bald die ersten Wenden folgen, damit der Bewegungsablauf flüssig und kontrolliert wird.

Vor der Wende natürlich den Hoch am Wind Kurs fahren und dann hinein. Außer auf einem Katamaran gibt es keinen Grund, die Fock back stehen zu lassen, wenn das Boot wirklich vom HAW Kurs aus wendet. Dabei helfen die Fäden in der Fock. Wenn die Fock ganz dicht gezogen ist sollten die Steuerfäden parallel stehen. Auch kurz vor der Wende noch, während der Steuermann sein Sprüchlein aufsagt J J J

 

Sehr hilfreich für den Trimm der Fock sind auch Fäden im Achterliek der Fock. Diese Fäden haben die gleiche Aufgabe wie im Großsegel. Sie sollen mir ein zu sehr geschlossenes Achterliek, vor allem bei wenig Wind anzeigen. Wenn es, wie auf dem Bild rechts, drei Stück sind, sollten die unteren beiden immer nach hinten aus wehen und der obere darf nach Lee wegklappen, muss aber regelmäßig zu sehen sein. (alle 30 Sekunden ca.)

Bei einem Boot mit einer Rollreffgenua, ist es ganz wichtig, den Holepunkt beim verkleinern der Fock ebenfalls zu verstellen. Ansonsten öffnet das Achterliek durch das Einrollen extrem und der Ruderdruck nimmt übermäßig zu.      Das Boot will dann ständig in den Wind drehen. Besser ist es da, mit farbigen  z. B. Punkten, wie einige Segelmacher dies schon machen, eine oder zwei Punkte am Unterliek zu markieren und die selbe Farbe für eine Markierung am Holepunkt zu verwenden. So weiß ich genau, wie weit der Holepunkt nach vorne muss. Wenn ich das Vorsegel einrolle. Die bessere Variante ist allerdings, erst einmal ein Reff in das Großsegel zu binden, bevor das Vorsegel verkleinert wird. Es lassen sich auch fast alle normalen Yachten nur mit der Fock bzw. Genua alleine, also ohne Großsegel fahren. Der Vorteil liegt darin, das mein Boot dann immer noch die volle Höhe auf dem Hoch Am Wind Kurs fahren kann, denn diese entscheidet sich am Vorliek der Fock und wenn dort ein dicker Wulst durch das einrollen des Segels entstanden ist, verliere ich durch den Wulst, an dem keine Anströmung stattfindet, ganz schnell einige Grad an Höhe.

Je moderner Rigg und Segeltuche sind, um so weniger ist ein ständiges nachtrimmen des Holepunktes notwendig. Bei einer J 70 z. B. dehnt sich das Segeltuch nur noch geringfügig und der Kohlefaser- Mast steht steif und gerade, vorausgesetzt die Wantenspannung stimmt. Die Riggspannung ist ja deutlich höher, als bei klassischen GFK Booten  ohne hochfeste Kunststoffe im Rumpf. Dadurch kommt es zu weniger Durchhang im Vorstag und das Boot fährt mehr Höhe am Wind.