Segel- & Riggtrimm

Den Mast trimmen, Wantenspannung anpassen und kontrollieren. Holepunkte und Fallspannung einstellen und markieren. Bei allen Windbedingungen schneller segeln mit dem richtigen Trimm.

Das ist leichter gesagt, als getan. Der Segel- & Riggtrimm ist extrem komplex. Am Anfang steht dabei immer der Riggrimm. Egal ob Jollenrigg oder Yachtrigg. Es gilt immer, der Mast soll in sich gerade stehen.

Wie es dann weiter geht, habe ich hier geschrieben. Der Riggtrimm ist damit aber noch lange nicht erschöpft, sondern nur leicht angekratzt. Wenn Du ein eigenes Boot und Fragen zu Deinem Segel- & Riggtrimm hast, kannst du mir gerne eine Mail mit Deiner Frage schicken, mich für ein Personal Training buchen oder an einem meiner Segelprogramme teilnehmen, bei denen der Segel- & Rigg- Trimm natürlich ausgiebig besprochen wird.

Der Riggtrimm

Die Position des Mastes wird von mehreren Faktoren beeinflußt. Zum einen die Position des Mastfußes. Er sollte natürlich in der Mitte des Bootes stehen, zunächst im Bezug auf die Rumpfkanten. Dann natürlich auch Mittig im Bezug zu den Püttingeisen. Es ist sicherlich gut, einmal die Position der Mastschiene in die der Mastfuß gestellt wird  nachzumessen.

Auch die Püttingeisen sollten natürlich symmetrisch  angebaut sein. Punkte zum Nachmessen sind z. B vom Vorstagbeschlag bis zur Vorderseite des Püttingeisen. Dann dieser Punkt zur Deckskante und der selbe Punkt zur Mastschiene. Auf Bbbug und Stbbug sollten die Maße identisch sein.

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MaßVorstagPüttingklein

Wenn es verschiedene Mastfußpositionen gibt, gilt erst einmal: Je weiter der Mast hinten steht, um so Luvgieriger wird das Boot.

Wieviel Luvgierigkeit eingestellt wird, ist natürlich dem Steuermann überlassen. Üblicherweise sollte das Boot bis ca. 4 Bft. Neutral auf dem Ruder liegen. Danach hilft die Luvgierigkeit auch, an Höhe zu gewinnen.

Modern profilierte Ruderblätter können einen dynamischen Auftrieb erzeugen, wenn sie entsprechend angeströmt werden, das heißt mit leicht eingeschlagenem Ruderblatt (ca 3-4 Grad) wird das Boot schneller. Das macht sich vor allem bei leichtem Wind und flachem Wasser bemerkbar.

Theoretisch müßte ich also je  nach Wind und Wellenbedingungen meinen Mastfall anpassen. Genau das wird in vielen Regattaklassen auch gemacht (Star, Drachen etc)

Der Freizeitsegler trimmt sein Boot auf die im Revier üblichen Durchschnittswerte und wird damit sicher gut klar kommen. Vielleicht gibt es zur Mastposition, Vorstaglänge und Wantenspannung schon Erfahrungswerte über die Klassenvereinigung, den Bootshändler oder einen Segelmacher. Wenn nicht, heißt es: probieren, probieren, probieren.

Nach der Mastfußposition ist die Länge des Vorstag weiter entscheidend für die Luvgierigkeit des Bootes. Je mehr der Masttop zum Heck des Bootes geneigt ist, um so weiter wandert der Segeldruckpunkt wieder hinter den Lateraldruckpunkt und das Boot wird Luvgierig. Wenn ich die richtige Länge gefunden habe, bietet es sich an, beim Mastlegen im Herbst, erst die Achterstag- und Wantenspannung zu lösen. Dann kann ich mit z. B. dem Fockfall die Spannung aus dem Vorstag nehmen, indem ich das Fockfall am Bug befestige und dann über die Winsch durchsetze, vielleicht reicht auch der Druck von Hand. Jetzt hängt das Vorstag durch und ich löse es unterhalb des Wantenspanners vom Vorstagbeschlag. So kann ich immer den gleichen Mastfall einstellen. Alternativ helfen auch farbige Markierungen auf dem Wantenspanner oder das Messen der Vorstaglänge.

Wenn die richtige Vorstaglänge eingestellt ist, sind als nächstes die Oberwanten dran. Diese drehe ich von Hand leicht fest und messe dann den Abstand vom Masttop zum Püttingeisen der beiden Seiten. So weiß ich, das der Mast gerade auf dem Boot steht.

Als nächstes drehe ich an den Wantenspannern jeweils BB und StB die gleiche Anzahl von Umdrehungen.

Wie weit ich drehen kann oder muss, sagt mir der sogenannte Powerotto ( siehe Bilder unten) Am Powerotto lese ich die Wantenspannung ab und stelle so die Werte ein, die ich benötige. Ein kleiner Trick hilft, die Wantenspanner, die natürlich immer ausreichend gefettet sein sollten, nicht übermäßig zu beanspruchen: Ich ziehe das Achterstag aufs maximum an. Dadurch wandert der Ansatzpunkt für die Wanten etwas nach unten und ich kann so die Wantenspanner leichter durchsezten.

Die Wanten sollten auf jeden Fall so fest gespannt sein, das auf einem Am Wind Kurs, bei flachem Wasser, und gleichmäßigem Wind um die 12 bis 15 Knoten, die Leewanten nur geringfügig locker sind. Sie dürfen auf gar keinen Fall durchschwingen.

Nach den Oberwanten spanne ich dann die oberen Unterwanten bzw die Unterwanten, wenn ich nur zwei Wantenpaare habe. Ich spanne also immer von Oben nach unten. Dabei gehe ich wie gehabt vor, indem ich die Unterwantenpaare jeweils handwarm andrehe und dann, messen geht jetzt nicht mehr, einen Blick an der Achterkante des Mastes entlang, nach oben werfe. Bevor ich weiter Spannung aufbaue, sollte der Mast gerade sein.

Ich kann auch das Großfall an der Masthinterseite anlegen und peilen. Siehe mittleres Bild.

Durch entsprechende Umdrehungen trimme ich den Mast gerade im Bezug BB und StB.

Das wars dann eigentlich schon. Diese Beschreibung ist natürlich nur ein grober Anhaltspunkt. Viele aktive Regattaklassen haben ihre eigenen Trimmtabellen und Riggmaße. Die bekomme ich dann über die Klassenvereinigung, einen der führenden Segelmacher oder Kollegen mit gleichem Boot. Auf jeden Fall kann ich jetzt erst einmal losfahren. Alles weitere merke ich dann auf dem Wasser.

Der Segeltrimm

Auch der Segeltrimm ist je nach Bootstyp unterschiedlich. Aber nicht nur der Bootstyp, sondern auch die verschiedenen Segelmaterialien sind wichtige Kriterien beim Segeltrimm. Wer den Segel- & Riggtrimm optimieren will braucht viel Erfahrung, am Besten 100 Jahre Segelerfahrung und ein Aerodynamikstudium 🙂

Wichtig ist zu sehen und zu erkennen, das es immer in zwei verschiedene Richtungen geht. Zum einen wird die Form des Segels verändert. Das geht mit den klassischen Trimmelementen wie Unterliekstrecker und Cunninghamstrecker oder auch über die Fallspannung. Dabei ist die Fallspannung noch am leichtesten zu korrigieren, denn die Meißten Segel sollen erst einmal Faltenfrei eingestellt werden. Je mehr Falten, vor allem Falten im ca. 90 Grad Winkel zur Liekrichtung ein Segel hat, um so runder, also bauchiger ist das Segel. Bei wenig Wind und solange das Boot aufrecht gefahren werden kann, ist das evtl. von Vorteil, weil ein rundes, bauchiges Segelprofil auch entsprechend Vortriebskraft erzeugt.

Wenn der Wind zunimmt und damit auch die Krängung des Bootes, sollten die Segel flacher getrimmt werden. Also jetzt an den Fallen ziehen, bis die Falten erst einmal wieder weg sind. Wird der Wind weiterhin stärker, kommen die Falten zurück. Beim Fockfall kann man meißt noch einmal nachkurbeln, beim Großsegel ist irgendwann das Segel oben am Mast angekommen. Dann geht nur noch der Cunninghamstrecker, der das Segel quasi nach unten hin in die Länge zieht und es damit flacher trimmt.

Hier ein Video zum Cunningham Strecker:

 

Segeltwist

Die zweite Richtung hängt immer mit dem Segeltwist zusammen. Wie auf den Bildern unten zu sehen werden dabei die Achterlieken der Segel geöffnet oder geschlossen. Die Form des Segels verändert sich an sich nicht. Daher ist der Segeltwist bei modernen, laminierten Segeltüchern / Folien auch viel ausgeprägter als bei dem klassischen weißen Dacron Segeltuch, das über die Dehnung des Materials schnell seine Form verlieren kann. Also immer mit dem Segelberater segeln, dann gibts auch laminierte Segel 🙂

In der Bucht von Pollensa, auf dem Weg nach Bon Aire mit der MasterClass war dann der Twist in der Fock vom Motorboot aus wieder einmal super gut zu sehen: Links die Fock mit geschlossenem Achterliek und rechts bei auffrischendem Wind deutlich stärker geöffnet.

Mit Segeltwist ist also das Öffnen des Achterlieks, ein verwinden, verdrehen des Achterlieks nach Lee gemeint. Die Fäden im Achterliek zeigen das an. Von drei Fäden im Achterliek des Großsegels sollte der oberste ab und an nach Lee wegklappen. Die beiden unteren sollen immer nach hinten rauswehen. Auf dem ersten Bild unten ist der Twist bei einer RS Vareo zu sehen. Schaut Euch den Abstand vom Achterliek zum Boden an. Der Boden ist quasi die Leeseite. Je weiter das Achterliek nach Lee klappt, also zum Boden, um so mehr twistet das Segel. Je mehr Wind um so mehr Twist, damit der Druck im Segel, der zu Krängung führt und zum Verlust der gesunden Gesichtsfarbe des Vorschoters, nach läßt.

Für weitere Tipps rund um den Segel und Riggtrimm gibt es auch meine Videoserie in Zusammenarbeit mit Aqua -TV.

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